lautete die Headline meines dem SZ-Redakteur David Berndt gegebenen Interviews, welches am 01.05.2022 „in Auszügen“ in der Sächsischen Zeitung veröffentlicht wurde. <https://www.saechsische.de/politik/wahlen/kommunalwahl/landratswahl-2022-kreis-bautzen-einzelbewerber-tobias-jantsch-im-interview-5676391-plus.html>

Mein vollständiges Interview können Sie hier im Volltext nachlesen.

Herr Jantsch, warum wollen Sie Landrat werden?

Nach meinen Beobachtungen im Kreistag über die letzten zwei Jahre ist mir aufgefallen, dass wir immer mehr abrutschen in eine Parteienpolitik, anstatt eine bürgernahe Sachpolitik in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen. Der Landkreis benötigt einen Mediator, also einen Vermittler, um gemeinsam mit den Bürgern die Möglichkeiten unseres sozialen und wirtschaftlichen Handelns neu ausrichten oder vorantreiben zu können. Weg von den Parteibüchern. Und es ist wichtig, dass der Nachfolger von Herrn Harig ein Kandidat ist, der sich sowohl mit Erfahrung aus Wirtschaft und Mittelstand, sowie der Verwaltung den doch deutlichen Herausforderungen stellen kann. Denn betrachtet man den Strukturwandel, den wir seit 1990 erleben, so ist es unverzichtbar, dass wir den Puls unserer Region wieder stabilisieren. Und das ist und bleibt unser Mittelstand. Dieser fand in den letzten Jahren zu wenig Beachtung. Diese und weitere Säulen möchte ich im Schulterschluss aufgreifen und ausbauen. Ausbauen, mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und einem großen Herz für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises.

Ist Ihnen das so wichtig, weil Sie selbst Unternehmer sind?

Als regional ansässiger Unternehmer, Arbeitgeber und ambitioniertes Mitglied des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft kenne ich natürlich die Anforderungen des Mittelstandes sowie die Notwendigkeit der Mitarbeitergewinnung, Nachfolge- oder Nachwuchsgenerierung aus der täglichen Praxis. Welchen Herausforderungen sich unsere Region stellen muss verdeutlichte sich mir gerade wieder, als ein 72 und 68 Jahre alter Mann hier meine Fenster reparierten. Die Firma gibt es so nicht mehr, weil niemand diesen Knochenjob machen, die Firma übernehmen und keine Lehrlinge oder Fachkräfte nachrücken um diese, demografisch betrachtet, wichtige Lücke zu schließen. Wir müssen wegkommen von der reinen Förderpolitik und dürfen uns ruhig wieder ein zweites Standbein aufbauen.

Die Verwaltung kann natürlich nur Geld ausgeben, das andere verdienen: Und dieses rekrutiert sich wieder einmal zum Großteil aus dem Mittelstand. Die verlängerten Werkbänke, die Großindustrie hingegen sind es, die nicht so viel Geld in die Kasse des Kreises einspielen. Und betrachtet man unsere, Geschichte, unsere Traditionen, unsere Wertschöpfungsketten, dann sind wir zu weit weggekommen von guter Hände Arbeit und das dürfen wir auch wieder intensiver in den Fokus stellen. Wir müssen eher an unsere Kinder herantreten, unser Handwerk wieder ausbauen, Wertschöpfungsketten und Ressourcen verbinden, miteinander sprechen. Es sollte nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen, dann verschwenden wir unglaubliches Potenzial. Wir dürfen wieder lernen, in eine Einrichtung zu gehen, an einem Seil zu ziehen.

Welche konkreten Ziele haben Sie als Landrat und für den Landkreis Bautzen?

Was mich als Bürger anspornt und sich final zur Triebfeder meiner Kandidatur entwickelte, sind völlig überzogene, Partei getriebene Wahlprogramme. Diese und vielfältige Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen motivierten mich, von diesen losgelöst, tatsächlich anstehende und teils überfällige Maßnahmen anzugehen. Mit einem Blick in die Glaskugel möchte ich den Bürgerinnen und Bürgern nicht gegenübertreten. Ein Ziel ist sicherlich die Sanierung unseres Haushaltes. Wir haben 19 Millionen Euro Schulden im Landkreis. Wir müssen den ländlichen Raum forcieren. Ebenso möchte ich dem Landkreis ein neues Bild, eine neue Außenwirkung geben. So ist ist mir auch ein Anliegen, in einen regelmäßigen Dialog mit dem Mittelstand zu treten, um die Funktion des Mittelstandes in der Strukturentwicklung stärker zu berücksichtigen und den Tourismus im Landkreis zu stärken. Und wie gesagt, das Wichtigste ist gute Arbeit.

Wie kriegen wir denn mehr Geld in den Landkreis?

Das geht und funktioniert einfach nur über den Handel, übers Handwerk und den Mittelstand. Diese müssen wieder stärker, im Schulterschluss sowie auf Augenhöhe, eingebunden und flächendeckend gefördert werden. Nicht theoretisch, sondern aus der Praxis für die Praxis. Dies umfasst, das Steuern und Abgaben, incl. der Löhne die Unternehmen erarbeiten, von der Verwaltung zur Stärkung der Attraktivität des Landkreises eingesetzt werden und dies auch den Unternehmen kommuniziert wird. Dazu will ich das Bündnis mit den Gemeinden entwickeln, hier müssen sich die Unternehmen und ihre Mitarbeiter heimisch fühlen!

Gemeinsame Wirtschafts-Förder-Initiativen sollen das Image des Landkreises als Teil der Oberlausitz stärken, denn Arbeitsplätze sollte es auch wieder im ländlichen Raum geben. Nachwuchsförderung: Wir treten zu spät an unsere Kinder heran. An unsere Gymnasiasten zum Beispiel kommen wir überhaupt nicht heran, weil die studieren sollen. Da verschenken wir unglaubliches Potenzial. Wir lassen Leute wegziehen. Wir haben Leuchttürme gebaut, die infrastrukturell so wie kulturell sehr gut erschlossen sind. Aber wir haben die Tiefe des ländlichen Raums ausbrennen lassen. Dies gilt es mit Erfahrung und Weitblick anzupacken.

Den Mittelstand flächendeckend fördern Arbeitsplätze schaffen: Wie soll das genau funktionieren?

Betrachten wir unsere geschnürten Strukturpakete, dann bleibt nicht viel Geld im Landkreis. Deswegen ist es wichtig, dass wir die kleinen und mittelständischen Betriebe wieder mehr unterstützen, ihnen eine größere Bühne geben, beispielsweise. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir können es so machen wie in Österreich zum Beispiel, wo auf der Internetseite eines Landkreises alle Unternehmen aufgestellt sind, so dass diese eine neue, größere Außenwirkung erhalten. Das gilt auch für alle touristischen Angebote, alle Hotels, alle Ferienwohnungen. Wenn ich als Bürger oder Tourist mein Geld im Landkreis lassen möchte, dann fällt es mir schwer, weil viele Unternehmen keine Internetseite haben, weil sie über Empfehlung agieren und arbeiten. Es ist ganz wichtig, das Kapital bei uns zu halten. Nur wenn wir das schaffen, werden auch Unternehmen wieder Lehrlinge einstellen. Wir sollten regional und saisonal verbunden unser Potential präsentieren.

Die Einwohner des Landkreises sollen Ihr Geld also vor allem hier ausgeben?

Eine Region lebt nun mal von den Bürgern und vom Kapitalkreislauf. Natürlich werden wir nie den kompletten Kreislauf bei uns halten können, aber ich spreche ganz bewusst von dem kleinen Kapitalkreislauf, nämlich der verstärkten Einbeziehung und Beauftragung heimischer Unternehmen. Das bewusste gehen in heimische Läden, vielleicht auch mal wieder Naturprodukte zu kaufen. Wir müssen wegkommen von den überregionalen Produkten, ohne uns komplett loszusagen. Andere Länder machen es vor, zum Beispiel Bayern. Wir dürfen ruhig für unsere Kultur, für unsere Werte und für unsere Traditionen einstehen. Da müssen wir uns nicht verstecken.

Wir sind nun mal ein Landkreis mit viel Landwirtschaft, Mittelstand und viel Handwerk. Das hat uns groß gemacht. Den Landkreis wird keine Person alleine verändern. Solidarität müssen wir auch wieder leben. Auch der Integration unserer sozial schwachen Kinder gilt es mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Lösungsansatz ist u.a. Geld nicht den Eltern, sondern gezielt Vereinen zukommen zu lassen, damit dort Kinder kostenlos betreut werden können. Umgang prägt nun mal den Menschen.

Ich selbst stamme aus einer sozial schwachen Familie und kenne beide Seiten. Ich weiß noch, wie es ist, wenn kein Geld da ist. Umso mehr schätze ich es, alles was ich heute habe, auch selbst erarbeitet zu haben. Von daher ist es für mich ganz wichtig, dass wir diesen Aspekt aufgreifen und Solidarität und Gemeinschaft neu „er“leben. Und dass wir es können, zeigen ja immer große Krisen, dass über Nacht unglaubliche Pakete zusammengeschnürt werden, das unglaubliches Hilfspotenzial da ist.

Gerne spende ich heute Gelder im Landkreis. Erlöse, die für soziale Projekte, nicht nur über meine Firmen, sondern auch als Privatperson, unseren Mitmenschen zu Gute kommen. So ist es mir eine Herzensangelegenheit jedes Jahr ein Monatsgehalt zu spenden. Ein Engagement, dass ich unabhängig vom Ergebnis meines Wahlkampfes auch als Landrat weiter betreiben werde. Initiative ergreifen bedeutet für mich das Vorleben gemeinschaftlichen Engagements um den Menschen aufzuzeigen, da gibt mal jemand etwas zurück. Der redet nicht nur, sondern er macht auch. Und wenn ich als Vorbild vorangehe freut es mich erleben zu dürfen, wie groß die Wertschätzung ist. Und dies aus allen Gesellschaftsschichten.

Zurück zum Kreishaushalt: 2025 werden voraussichtlich 27 Millionen Euro fehlen, ein Jahr vorher wird wahrscheinlich das Eigenkapital aufgebraucht sein. Wie würden Sie den Kreishaushalt sanieren?

Ein großer Punkt sind unsere Liegenschaften. Der Landkreis hat Immobilien, die uns Geld kosten. Diese gilt es im Hinblick auf deren Wirtschaftlichkeit, Erfordernis oder einer nachhaltigen Neuausrichtung oder Veräußerung neu zu betrachten. Ein wichtiger Faktor der Haushaltssanierung ist auch das Thema Personal. Hier würde ich aber nicht blind 300 Stellen abbauen, wie es andere zum Beispiel vor haben. Wir müssen uns ansehen, wie viel Personal in Rente geht, können aber auch nicht blind Stellen streichen. In den Gesprächen mit den Mitarbeitern des Landratsamtes verdeutlichte sich, dass Arbeitswege zu lang sind, etwa im Rahmen von Anträgen und der Übermittlung von Daten, da hier zeitgemäße Schnittstellen fehlen.

Vor allen Dingen ist es für mich wichtig flache Hierarchien zu leben, um mit Verwaltungsangestellten und Sachbearbeitern in den engen Dialog treten und so Probleme analysieren zu können. Dies ist nur möglich, wenn wir mit Mitarbeitern, die die Arbeit verrichten, konstant ins Gespräch gehen. Dies ist es auch, was mir immer wieder herangetragen wird: ,Arbeit sollte wieder Spaß machen. Optimierte Strukturen und erfahrene Wertschätzung im Einzelnen und im Team wirken einem gefühlten „Ersticken in Arbeit“ oder „Wir wissen vor lauter Akten nicht, wo wir anfangen sollen.“ konstruktiv entgegen. Eine Neustrukturierung vorhandener Abläufe und Zuständigkeiten, zielführende Bedarfsanalysen bei Personal- und Sachgebietsfragen sind überfällig. Der Begriff Prozessoptimierung ist hier ein aus der Wirtschaft bekannter, maßgeblicher Erfolgsschlüssel.

Wo würden Sie versuchen, mehr Geld einzunehmen und wie kann das konkret gelingen?

Wir müssen die Basis neu aufstellen und ausbauen, das Potenzial besser heben als bisher. Aktuell verfügen wir noch über zu wenig geschlossene Wertschöpfungsketten. Ich will vor allem die Unternehmen unterstützen die die Wertschöpfung in die Region holen und von denen alle anderen partizipieren. Und nochmal: Wir können nur mehr Geld hier verdienen, wenn wir den Mittelstand stärken, wenn wir es dem Unternehmer etwas einfacher machen. Dort gilt der Abbau von Bürokratie.

Und wo würden Sie weniger Geld ausgeben als bisher?

Was man sich ansehen muss, ist zum Beispiel unser ÖPNV. Auf der einen Seite brauchen wir einen besseren ÖPNV, da dieser aktuell ja vorwiegend für den Schülerverkehr genutzt wird. Es fahren viele leere Taktbusse durch den Landkreis. Vielleicht sollten wir diese einmal den Anreizen von Rufbussen gegenüber stellen. Ich halte es auch nicht für notwendig, unsere Rentner in die größeren Städte zu holen, damit sie einkaufen können. Umgekehrt muss es sein.

Wir sollten ländliche Möglichkeiten schaffen, die das regionale Einkaufen erleichtern. Meine Oma ist nicht jeden zweiten Tag einkaufen gegangen, weil sie Butter brauchte, sondern sie ist in den Konsum gegangen, weil sie den sozialen Kontakt, das Gespräch hatte. Da gilt es tatsächlich die Verwaltung nicht auseinander zurupfen. Wir sollten die Verwaltung bündeln und Betriebsstätten hinterfragen. Sind die vielen Außensitze notwendig oder kann man das tatsächlich zusammenlegen, um auch dort kostenstrukturell besser aufgestellt zu sein?

Die Verwaltung hat jetzt ihr freiwilliges Haushaltsstrukturkonzept vorgestellt und unter anderem erklärt, wo sie sparen will: Da ging es zum Beispiel den Wegfall geplanter Pendlerparkplätze, die Streichung der Förderung für die Kreisverkehrswacht oder die Abgabe der Lehrlingswohnheime an externe Betreiber. Sind das die richtigen Maßnahmen?

Viele dieser Maßnahmen halte ich für Schnellschüsse. Ich denke, dass der Landkreis diese Konzepte jetzt mehr oder weniger notgedrungen auferlegt hat. Langfristig gesehen wird es nicht viel helfen. Dort gilt es tatsächlich, klügere, nachhaltigere Wege zu beschreiten. Das ist mir im Landkreis momentan ein bisschen zu kurz gedacht.

Wie wichtig ist für Sie die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Dresden und Görlitz?

Die Elektrifizierung ist ein wichtiger Aspekt auch für die Themen Energieneutralität und -effizienz. Man muss einfach verstehen, dass der Bautzener Landkreis das Tor für den Landkreis und für die Stadt Görlitz sowie für Zittau ist. Wenn wir unseren Landkreis außen vorlassen, den Landkreis Bautzen als Schnittstelle, als Kreuzung für Görlitz und für Zittau, dann werden sich die äußeren Regionen nicht wirklich entfalten können. Wir bedingen einander. Hier gilt es, mit den Ministerien wieder in Dialog zu treten, die Notwendigkeit der Elektrifizierung voranzutreiben.

Welche Bauprojekte bei Straßen und Gebäuden sollten aus Ihrer Sicht unbedingt umgesetzt werden? Und haben Sie da auch Zeitvorstellung?

Ich habe ja ein Thema gerade vor der Haustür: unser Kamenzer Gymnasium. Was wir hier neu bauen, das wird eines der teuersten Bauten in ganz Sachsen und war schon zu klein geplant. Also wenn wir bauen, sollte es eine bessere Planung geben. Auch da haben die Verantwortlichen m.E. nicht nachhaltig genug gedacht. Wir haben hier große Themen mit dem Schulbau in Radeberg, wo jetzt das Grundstück erworben wurde. Das gilt es zu forcieren. Das sollte umgesetzt werden.

Beim Thema Straße muss man verstehen, dass wir über ein unglaubliches Flächennetz an Straßen verfügen. Dies, da wir ein so ein großer Landkreis sind. Und da muss man Schaun, was sind kommunale Straßen und was sind Bundesstraßen. Radwege zum Beispiel sollten wir unbedingt ausbauen, um auch das Thema Umweltschutz mit voranzutreiben. Dort liegt ein schnelles Vorankommen gar nicht daran, dass der Landkreis nicht will, sondern ganz oft ist es so, dass wir nicht vorankommen, weil die Anträge zu lange dauern, weil wir die Grundstücke nicht von den Eigentümern bekommen, weil das Land vielleicht auch noch Ansprüche hat. Das heißt es liegt an den Strukturen. Und bis es zu einer Entscheidungsfindung kommt, vergehen manchmal bis zu fünf Jahre. Das sollte man den Bürgern auch mal transparenter erklären, dass diese gesetzlichen Schranken uns ganz oft hemmen, schnelle Entscheidungen zu treffen. Dort gilt es, in einen engeren und tieferen Dialog mit der Landesregierung zu gehen. Und es muss mehr Geld in die sozial schwachen Kommunen fließen, um dort Gewerbegebiete zu erschließen und Unternehmen anzusiedeln, die nachhaltig Arbeitsplätze schaffen.

Sie haben bislang kaum praktische Erfahrung im Verwaltungsgeschäft. Wie wollen Sie einen Landkreis mit rund 300.000 Einwohnern führen?

Ich habe es tatsächlich gelernt. Ich bin Verwaltungsangestellter für Kommunalrecht und habe an der bayrischen Verwaltungsschule gelernt und das ist eine der drei schwersten Schulen, die es in ganz Deutschland gibt. Auch während meiner Bundeswehrzeit, konnte ich in der dortigen Verwaltung wertvolle Erfahrungen sammeln. Zudem verfüge ich über eine Firma, die verwaltungsbezogen mit Liegenschaften, Gebäuden und Grundstücken arbeitet. Kurz um: Auch als Unternehmer sind mir tägliche Verwaltungsprozesse durchaus bekannt. So freut es mich, das Sie das Thema Erfahrung ansprechen. Im Rahmen einer Verwaltungsqualifikation möchte ich aber gerne auch das Thema Führungsqualität aufgreifen, welche ich im kausalen Zusammenhang sehe. Als Mensch der Praxis weiß ich, wovon ich spreche. Vorwiegend hoffe ich auf frischen Wind im Landkreis, gefolgt von mehr Mitarbeiter- und Bürgernähe. Hier sehe ich großes, bisher ungenutztes Potential.

Vermissen Sie das beim jetzigen Landrat?

Ich schätze die Leistung engagierte Menschen, ganz gleich in welcher Funktion er oder sie diese über welche Zeit auch immer ausgeübt haben. Sicherlich ergeben sich für mich persönliche Betrachtungsweisen, die Potenzial für neue Wege bieten. Veränderungen, die ich als Landratskandidat als sinnvoll erachte, erwähnte ich ja bereits in meinen vorgenannten Ausführungen. Als Unternehmer bin ich es gewohnt Potenzial zu erkennen und Möglichkeiten zukunftsorientiert zu sehen und auszurichten. Nun liegt es an den Bürgern, aber auch Mitarbeitern des Landkreises darüber zu entscheiden ob sie das Potenzial erkennen und dieses gemeinsam mit mir in die Zukunft tragen möchten. Ein zentrales Thema wird aber sicherlich der Wunsch nach mehr Bürgernähe sein.

Wie wollen Sie die herstellen?

Zum Beispiel unsere Internetseite, die wir ja seit Oktober letzten Jahres als erstes online schalteten. Diese soll dann auch bestehen bleiben, dass der Bürger auch in direkten Kontakt mit mir treten kann. Wir wollen eine neue Art der Kommunikation auch multimedial mit dem Bürger pflegen, und bei gewissen Projekten, die wir angehen wollen, über die Plattform befragen. Dies schafft Transparenz. Und wie sehr die Bürger daran interessiert sind, zeigte alleine schon, dass sich tausende Bürger für meine Plakatgestaltung interessiert haben. Tausende Zugriffe dazu, wie mein Wahlplakat aussehen soll.

Die Landkreis-Homepage ist völlig überladen, da muss man ganz viel Zeit mitbringen. Das heißt, auch dort sollten wir eine andere Außenwirkung erreichen und unsere Technik des 21. Jahrhunderts nutzen. Jedem ein Tablet zu geben, damit ist die Digitalisierung nicht erreicht, sondern wir müssen neben dem Thema Software und Wertschöpfung der heute multimedial geprägte Medienlandschaft arbeiten können um dessen Ressourcen zu verbinden.

Management und Verwaltung hatten wir bereits besprochen. Aktuell hat der Landkreis viel mit der Hilfe für ukrainische Flüchtlinge zu tun. Da geht es um Aufnahme, Unterbringung, Kita und Schulbesuch. Wie würde das unter Ihrer Führung weitergehen?

Was mir auffällt, ist, dass wir immer wieder anfangen, Strukturen aufzubauen. Wir brauchen einfach einen Plan, ein Grundgerüst einer Struktur, was man in einem Notfall immer wieder rausnehmen könnte. Das heißt bei den Themen Katastrophenschutz, Notunterkünfte, Ersthilfe bei solchen Tragödien laufen wir wie die aufgescheuchten Hühner rum und haben am Anfang überhaupt keinen Plan. So kommt es mir als Bürger immer vor.

Dort gilt es näher zusammenzuarbeiten, eine Struktur zu schaffen, so dass jeder weiß, was er zu tun hat und wir Ruhe reinbringen. Natürlich ist es ganz wichtig, dass wir Menschen integrieren, dass wir Hilfestellungen geben, dass wir sie nicht auf der Straße sitzen lassen. Wir fangen viel zu spät an, die Menschen zu integrieren, unabhängig von der Ukraine. Warum beginnen wir nicht schon in Flüchtlingslagern damit, Deutsch zu unterrichten oder die Menschen an unsere Arbeitszeiten zu gewöhnen? Warum immer erst hier? Warum müssen die Leute erst zwei Jahre hier auf eine Arbeitserlaubnis warten?

Muss sich das Corona-Management des Landkreises ändern, sollten die Zahlen vielleicht im Herbst oder Winter wieder steigen oder sich eine neue Variante mit vielen Erkrankungen und hoher Belastung in den Kliniken durchsetzen?

Das Arbeitsmanagement der Verwaltung muss sich um 100 Prozent ändern. Das Arbeitsvolumen darf sich verändern. Natürlich ging auch Corona nicht an der Verwaltung vorbei und natürlich hatte die Verwaltung einen hohen Krankheitsstand. Aber wenn ich noch nicht mal ordentliche Schnittstellen habe, um die Daten verarbeiten zu können, wenn ich zum Beispiel nur mit Excel-Tabellen arbeite, dann brauche ich mich nicht wundern, dass das ewig dauert. Das heißt, dort gilt es bereits über den Sommer, in dem die Zahlen natürgemäß deutlich sinken, Systeme zu schaffen.

Wie würde es denn im Fall Ihrer Wahl mit Ihrem Unternehmen oder Ihren Unternehmen weitergehen?

Also, ich wäre ein schlechter Unternehmer, wenn meine Unternehmen, durch meine sicherlich sehr ambitionierte Tätigkeit als Landrat, die erforderliche Führungskraft verlieren würden oder sie schlichtweg von mir abhängig wären. Ich verfüge über ein sehr gutes, gewachsenes und interaktives Team. Meine bisherige Schlüsselfunktion ist wohlmeinend schon nachbesetzt. Das heißt, ich habe einen zweiten Heilpraktiker nachgezogen, der sich auf die Homöopathie und die onkomolekulare Medizin spezialisiert hat. Für das Weiterkommen und die Arbeitsplätze meiner Mitarbeiter ist gesorgt.

Sie verweisen auf Ihren Social-Media-Kanälen darauf, dass Birgit Weber, scheidende Beigeordnete des Landkreises, Sie bei Ihrem Gespräch mit Oberlausitz TV als neuen Landrat empfiehlt. Doch explizit hat sie das gar nicht gesagt. Zuletzt hat bei Radio Lausitz erneut bekräftigt, sich für keinen der vier Kandidaten auszusprechen. Sie werben also mit einer falschen Aussage von Frau Weber, oder?

Das kommt drauf an, wie man das Interview bewertet und in welchem Kontext man die Aussage interpretiert. Gerade wenn es sich um eine privat geäußerte Meinung handelt. Ich stehe mit Frau Weber in engem Kontakt. Verwaltung verändert sich, Gesetze verändern sich stetig. Hier gilt es am Ball zu bleiben.

So freute ich mich über die gewonnenen Einblicke die mir Frau Weber gewährte. Einblicke in denen ich Frau Weber sowohl menschlich als auch fachlich kennen lernen durfte. Zudem freute es nicht das wir eine gegenseitige Wertschätzung erfahren haben. Natürlich ist es für viele Angestellte im öffentlichen Dienst immer schwierig, konkrete Aussagen zu treffen, gerade weil sie noch aktiv als Beigeordnete tätig ist. Das muss man auch verstehen und das respektiere ich natürlich. Ich halte Frau Weber für eine der stärksten Frauen, die unser Landkreis hat. Sie hat sehr viel für den Landkreis getan, Beispiel Breitbandausbau. Ohne Frau Weber hätte es das nie gegeben. Das muss man einfach wissen. Und Frau Weber hat sehr, sehr viel Geld in den Landkreis geholt. Diesbezüglich betrachten viele ihr Ausscheiden als Verlust für den Kreis und sicherlich darf auch ich mich zu diesen Menschen zählen.

Sie will offensichtlich nicht unter einem möglichen Landrat Udo Wirtshaus arbeiten, aber vielleicht unter Ihnen?

Ich denke, dazu hat sie sich klar positioniert, was auch ihren Gang in den sicherlich wohlverdienten Ruhestand bekräftigt. Was ich mir gut vorstellen kann ist, dass sie mir in ihrem Ruhestand zumindest mit Rat und Tat zur Seite steht. Wie das dann aber tatsächlich stattfindet, das wäre wieder ein Blick in die Glaskugel. Wir sollten noch ein Stück weit davon wegkommen, wer da wen unterstützt. Selbst wenn Sich andere klar für einen Kandidaten aussprechen, mit meine Stimme hat er. Es ist eine Wahl des Bürgers und der Bürger sollte wissen, dass ich der einzig übergeordnete Kandidat bin. Denn alle anderen Kandidaten wurden von Parteien nominiert. Was für mich wichtig ist, ist mit allen Parteien in den Dialog zu gehen, sonst verlieren wir viele Bürger.

So wie unser Kreistag aufgestellt ist, gibt es keine eindeutige Mehrheit. Sich dort eine Schlammschlacht mit irgendeiner Partei zu liefern betrachte ich als Kontraproduktiv. Dies wird uns nicht weiterbringen. Denn wir brauchen alle Parteien bzw. wir brauchen eine klare Mehrheitsfindung, um wichtige Projekte voranzutreiben. Und deswegen sehe ich persönlich auch keinen blauen Landrat, sage ich. Weil dieser keine Mehrheit finden und Anträge durchkriegen würde. Und das sollten auch unsere Bürger verstehen, dass ein blauer Landrat nicht arbeitsfähig wäre. Daher sehe ich meine Chancen als wahrer parteiloser Kandidat doch sehr gut. Denn ich könnte sofort, unbehaftet für die Bürger, mit der Arbeit in der Verwaltung beginnen.